Umbaubericht meiner Kawasaki VN 800 Classic

 

Meine VN kaufte ich mir neu  im März 1997. Sie war weinrotmetallic mit beige lackiert und sah schon im Serientrimm recht hübsch aus. Tja, wenn da nicht der innere Umbaugeist wäre, der in einem Biker steckt. Mir persönlich gefielen schon immer klassisch aussehende Bikes wie z.B. alte Harleys aus den Fünfzigern. Also machte ich mir einen exakten Umbauplan meines Bikes. Dies ist auch sehr wichtig, denn wenn man ohne Ziel einfach drauflosbastelt und hier und da mal ein Teilchen dazukauft und montiert, dann muss man sich nicht wundern wenn das Bike einem “überschmücktem” Weihnachtsbaum gleicht und man irgendwann viel Geld ausgegeben hat und letztendlich doch unzufrieden ist.

Ich machte Bilder von meiner VN und bearbeitete diese in einem Grafikprogramm auf meinem PC. Dort kann man sich dann verschiedene Farben und Umgestaltungen visuell anschauen, bevor es dann “ernst” wird.  Im Inneren wusste ich schon genau wie sie aussehen sollte. Ich studierte Fachbücher und ließ mir von allen erdenklichen Herstellern weltweit Zubehörkataloge kommen.

Der Winter kam und es war an der Zeit. Erster Schritt war die Umlackierung, also erst mal auseinander schrauben das Teil. Ich wollte ein klassisch aussehendes schwarz, das aber auch noch etwas besonderes darstellt. Bei einem Lackiermeister sah ich in einem Katalog ein Schwarz-Metalliclack der Firma Nissan der sehr viel Silberanteil enthielt. Genau diesen Lack wählte ich und zog anschließend noch mehrere Schichten Klarlack darüber, das ergab eine wunderschöne Tiefenwirkung auf dem Tank, den Schutzblechen und der Lampe. Es ist immer empfehlenswert Klarlack  zu benutzen, denn so kann man mit Leichtigkeit mal kleine Kratzer einfach wegpolieren.

Als nächstes sollte ein anderer Sitz montiert werden, der erstens klassisch aussehen sollte und auch optimale Bequemlichkeit bietet. Bei der Fa. Mustang USA wurde ich fündig, dort bestellte ich einen Solositz. Nun wurde noch ein Gepäckträger, Tombstonerücklicht, Chromseitendeckel, Vorderradglocke und Trittbretter montiert. Letzteres weis ich mittlerweile nur zu gut zu schätzen, denn man hat sehr viele Positionen für die Füße, was bei größeren Touren nur positiv sein kann. Auch den Lenker ersetzte ich anfangs durch einen original “Dresser” Lenker einer alten HD Hydraglide. Dieser fügte sich wunderbar in das Gesamtbild meines Retroprojektes ein. Aber leider plagten mich heftige Kreuzschmerzen und ich montierte 4” Riser und eine kurze 72 cm. Dragbar. Jetzt bin ich weiter nach vorn gebeugt beim Biken und dadurch ist die Wirbelsäule etwas entlastet. Nicht mehr ganz so retro, aber man möchte ja auch unbeschwert cruisen.

Jetzt kam das neue Tankemblem, welches mir schon immer gut gefiel. Es handelt sich dabei um ein original HD Emblem aus den Fiftys. Natürlich sollte da mein Schriftzug “Vee Anne Oldstyle” drauf. Also abschleifen, spachteln, anpassen und lackieren. Den Schriftzug habe ich aus schwarzer Folie ausgeplottet und anschließend klarlackiert. Sieht richtig gut aus und passt auch schön auf den Originaltank.

Ich sah mir mein Werk an und stellte fest, das es immer mehr “retro” wirkte. Tja, aber die Originale aus den Staaten haben Weißwandreifen, also forschte ich nach. Ich kontaktierte bei Kawasaki Deutschland, einigen TüV – Stellen und renommierten Reifenherstellern. Überall teilte man mir mit, das es keine ABE, bzw. Freigabe hierzu gibt. Überhaupt wären diese WW Reifen den Harley Modellen vorbehalten. Über 7 Monate lang war ich auf der Suche, aber leider vergebens. Da ich von Natur aus ein Optimist bin gab ich nicht auf, denn mein Standpunkt lautet, es gibt nichts was nicht irgendwie geht, außer: “einen Fingerhandschuh über einen Daumenhandschuh anzuziehen!”.

Ich bestellte bei der Fa. Dunlop Weißwandreifen, die bis auf die Größe des hinteren Pneus mit meiner Serienbereifung identisch waren. Es wird halt kein 140/90-16er Weißwandreifen in Deutschland hergestellt. Diese Reifen zeigte ich einem TüV Spezialisten in meinem Ort. Dieser meinte im Originalton: “Ach, außer den weißen Rändern und der leichten Übergröße hinten sind die ja fast gleich mit den Originalen deiner Maschine!” Ich sollte sie mal montieren und “dann wird man sehen was geht”, hing er noch an. Mit montierter WW Bereifung fuhr ich zur Prüfstelle und der Prüfer machte eine Probefahrt. Ohne weitere Probleme bekam ich meine Reifen dann in die Papiere eingetragen. Stolz fuhr ich nun nach Hause, denn es gab zu dieser Zeit meines Wissens nach keine VN in Good Old Germany mit WW-Reifen. Die genaue Bezeichnung der Reifen lautet: vorn: Dunlop D404F (130/90-16 67H WW TL) und hinten: Dunlop D404 (150/80-16 71H WW TL). Diese Dunlops laufen sehr ruhig und komfortabel und ich kann sie nur weiterempfehlen.

Jetzt fehlte mir nur noch was fürs Ohr, eine gutklingende Auspuffanlage musste her. Ich testete und hörte mir alles an was derzeit auf dem Markt war und wurde von den Cobra Anlagen überzeugt. Klar, das die Anlage kein TüV hat, aber dieser Sound, einfach genial dumpf grollend ohne die so oft störenden metallischklingenden Spitzen. Ich wählte natürlich die klassische Variante “Tappered”.

In Planung ist nun noch ein Umbau auf Zahnriemenantrieb und kleinere kosmetische Abänderungen, aber der nächste Winter steht ja bevor. Gerne werde ich euch VN Bikern mit Rat und Tat zur Seite stehen und auch mitteilen wenn es Neuerungen meinerseits gibt. Ich wünsch euch allzeit gute Fahrt ohne Beulen und Brüche!

Martin “Magman” Müller